Bericht zur Reise einer Hector- Seminar- Gruppe nach Salvador, Brasilien (10. – 16. 3. 2026)
Thomas Hermann
Vorgeschichte:
Von Oktober bis Dezember 2025 führten 7 Hectorianerinnen und Hectorianer der Kurse KA21 und KA22 in zwei Teams ein von der TheoPrax- Stiftung initiiertes Projekt zum Thema Weiterverwendung, bzw. Recycling von defekten Smartphones durch. Dieses Projekt wurde gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der SENAI- Schule in Salvador de Bahia, Brasilien bearbeitet. Die Partnerinnen trafen sich regelmäßig in Online- meetings und erstellten nach Projektende einen schriftlichen Abschlussbericht. In einer öffentlichen Online-Präsentation wurden die Ergebnisse einem interessierten Publikum vorgestellt.
Die Herausforderungen der Sprachbarriere, eines unterschiedlichen Schulsystems, sowie Problematik der Zeitverschiebung wurden angenommen und auf beeindruckende Weise gemeistert.
Im Anschluss an das Projekt war es der TheoPrax- Stiftung durch Akquirierung von Sponsorenmitteln möglich, die Reise der beteiligten Schülerinnen und Schüler , gemeinsam mit einem Hector- Kursleiter und dem Geschäftsführer der TheoPrax- Stiftung nach Salvador zu finanzieren. Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern den direkten Kontakt zu ihren Partnerinnen und Partner zu ermöglichen , sowie einen Austausch über die verschiedenen Methoden und didaktischen Vorgehensweisen bei Projektunterricht anzuregen.
SENAI

Bei SENAI handelt es sich um eine in allen Bundesstaaten Brasiliens vorhandene gemeinnützige Bildungseinrichtung, die sowohl von staatlicher Seite als auch durch Zuwendungen der Industrie finanziert wird. SENAI unterhält im Raum Salvador drei Bildungseinrichtungen mit diversen Außenposten im Bereich der beruflichen Bildung. Auf Deutschland übertragen würde man von einer klassischen Berufsschule sprechen, an denen eher handwerkliche Berufsfelder angeboten werden, sowie einer Fachoberschule und einer Fachhochschule. Im Bundesstaat Bahia liegt ein besonderer Schwerpunkt in der Ausbildung von Schülerinnen in eher frauenuntypischen Berufen.
Die Ausbildung findet dabei in weiten Teilen durch der Methodik des Projektunterrichts / Projektstudiums statt, das bewusst und institutionalisiert der TheoPrax- Methode folgt. Problemstellung mit „Echtheitscharakter“ und Lösungsorientierung stehen dabei im Vordergrund. Hier kommt die Verbindung zum eingangs erwähnter Projekt zu Tage.

Die Schülerinnen und Schüler bezahlen ein gewisses Schulgeld, es existiert aber ein ausgeprägtes System an Stipendien, so dass auch Kindern ärmerer Bevölkerungsschichten der Zugang ermöglicht werden kann. SENAI orientiert sich dabei bewusst an den UN-Zielen zur nachhaltigen Entwicklung (SDG) Nummer 4 (hochwertige Bildung) und 10 (Ungleichheit abbauen).
Auffallend an allen drei Standorten ist die besonders hochwertige und moderne technische Ausstattung der Schulen. Allein die Berufsschule in Dendezeiros verfügt über 33 modern ausgestattete Technikräume und 18 Informatikräume. Ca. 4000 Schülerinnen und Schüler lernen hier in drei Schichten , am Vormittag, am Nachmittag und am Abend.
Die Fachhochschule CIMATEC bietet ein weites Feld an Studiengängen im technischen und wirtschaftlichen Berufsfeld und kooperiert mit namhaften internationalen Forschungseinrichtungen wie z.B. dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Neben der Ausbildung wird hier Forschung, etwa im Bereich Quanteninformation, Gewinnung von grünem Wasserstoff oder Gentechnik betrieben. Darüber hinaus ist ein Wissenstransfer in die Industrie institutionalisiert, so werden junge Startup- Unternehmen unterstützt und betreut, was für den Wirtschaftsstandort der Region Salvador zum Standortvorteil generiert.
Ergebnisse
Die Reise kann abschließend als voller Erfolg betrachtet werden. Neben dem sehr emotionalen Erlebnis einer solchen weiten Reise innerhalb einer sehr kleinen und recht homogenen Gruppe und dem Kennenlernen eines weitgehend fremden Kulturkreises und beeindruckender tropischer Vegetation, war es vor allem der direkte persönlich Kontakt zu den Partnerinnen und Partnern, sowie zu den Lehrkräften vor Ort, der allen Beteiligten in sehr positiver Erinnerung blieb. Mit Sicherheit führt dies zu einer enormen Steigerung der Motivation bei den Hectorianerinnen und Hectorianern, sich auch weiter auf ähnliche Projekte einzulassen und zu engagieren. Alexander Dehn (KA21) sprach bei der Auftaktveranstaltung in Dendezeiros von der Bereicherung aller durch das Projekt, und zwar auf inhaltlicher, sprachlicher und kultureller Ebene. Man sei an den Herausforderungen gewachsen und empfinde Stolz, Teil des Projektes zu sein und nun hier als Gast empfangen zu werden. Alexandra Arranja Cardim und Jailson Cardoso Oliveira (SENAI) betonten rückblickend, wie wertvoll die Erfahrung gewesen sei und empfanden es als Gewinn, dass sich alle Partnerinnen und Partner auf beiden Seiten mit ihren jeweiligen Stärken eingebracht hätten und äußerten ihre Freude über den Besuch, da man nun die neu gewonnenen Freunde direkt treffen könne.

Für die deutschen Schülerinnen und Schüler war es sicher sehr horizonterweiternd, sich mit der didaktischen Methode des Projektunterrichts / -studiums, wie sie an den SENAI- Schulen praktiziert wird auseinanderzusetzen. Als sehr beeindruckend wurde darüber hinaus das Ausmaß der modernsten technischen Ausstattung aller Schulen empfunden. Außerdem fiel allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die besonders ausgeprägte und an allen Orten spürbare positive Grundstimmung an den Schulen auf.
Dank
Der Dank der gesamten Gruppe gilt allen an der Organisation der Reise beteiligten Personen,
insbesondere dem gesamten Vorstand der TheoPrax- Stiftung und hier vor allem Herrn Wolfgang Nitzschke für die Finanzierung und die gesamte Organisation.
Ebenso für die Organisation auf brasilianischer Seite, sowie das große Engagement und die Herzlichkeit während unseres Aufenthaltes Frau Emanuelle da Silva Arraz und Frau
Laissa Medrado Vasconcelos , sowie Herrn Michael Goepfert.